Zeiler Baudenkmäler

Kreuzweg - X. Station

Jesus wird seiner Kleider beraubt

  • Kreuzweg X. Station

    Nach der Renovierung 2025

  • Kreuzweg X. Station

    Auch vor der Renovierung 2025 sehr gut erhaltene Figuren

  • Kreuzweg X. Station

    "Jesus wird seiner Kleider beraubt" - noch gut zu lesen

  • Kreuzweg X. Station

    Die Station steht am früheren Fußweg, direkt links oberhalb des asphaltierten (ehemaligen) Fahrwegs

Hans Brech - 10. Station

Die entsprechende Passage im Matthäus-Evangelium lautet: "So kamen sie an den Ort, der Golgatha genannt wird, das heißt Schädelhöhe. Und sie gaben ihm Wein zu trinken, der mit Galle vermischt war; als er aber davon gekostet hatte, wollte er ihn nicht trinken. Nachdem sie ihn gekreuzigt hatten, warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich." Auf dem hier besprochenen Bildstock ist dargestellt, wie man Jesus vor der eigentlich Kreuzigung die Kleider wegnimmt, ihn also gewissermaßen des letzten Rests seiner Würde beraubt. Rechts unten sieht man einen Schergen, der den vergällten Wein bereitet.

Der Erhaltungszustand des Bildstocks war auch schon vor der Renovierung 2025 recht gut und die Inschrift lesbar.

Stifter: "Christoph Joh. und Appolonia Zeiller von Zeil (1878)"

Beschriftung der Stele vorne

Jesus wird seiner Kleider beraubt

Jesus wird im wahrsten Sinne des Wortes bloß gestellt. Eine Situation, die sich heutzutage online wie offline ähnlich zuträgt und zum Nachdenken über Menschenwürde anregt.

Beschriftung der Stele rechts

Jesus wird seiner Kleider beraubt

Jesus wird entwürdigt. Man reißt ihm die Kleider vom Leib. Nur mit dem, was sie selbst noch verwenden wollen, gehen die Soldaten sorgsam um, aber nicht mit ihm. Nicht mit dem Menschen. Sie machen sich sogar noch über ihn lustig, bereiten ihm mit Galle gemischten Wein zu. Jesus ist das egal. Er lässt es über sich ergehen. Sein Blick ist abwesend: "Macht doch, was ihr wollt..."

Macht doch, was ihr wollt. Ich hab' grade ganz andere Sorgen, da spielen materielle Dinge doch gar keine Rolle. Meint ihr es überhaupt ernst mit mir oder nur mit meinem Geld? Und wenn schon, Gesundheit, Glück, Liebe, all diese Dinge kann ich mit keinem Geld der Welt kaufen. Als Mensch gesehen zu werden, so wie man ist, und deswegen mit Würde behandelt zu werden, ist unbezahlbar.

Wie unbekümmert machen sich Menschen in den ‚sozialen Netzwerken' über andere lustig, urteilen über sie, entwürdigen sie mit Hasskommentaren... Es geht dort oft verletzend zu. Aber bin ich da nicht auch in der analogen Welt ganz schnell dabei? Wenn ich über andere herziehe, wenn ich ihnen mein Mitgefühl verweigere, wenn ich sie in Schubladen stecke...

Beschriftung der Stele links

Der Bildhauer Philipp Dorsch

Bei der Renovierung des Zeiler Käppeles fand man ein Zeitdokument aus dem Jahr 1884. Es ist das älteste und einzige bekannte Schriftstück, das die Errichtung der Kreuzwegstationen durch die beiden Bild‑ und Steinhauer Philipp Dorsch und Kaspar Schöpf dokumentiert.

Der Originaltext lautet: "In den [18]70er Jahren wurde von Gutthätern ein neuer Kreuzweg errichtet, welcher durch dem Bildhauer Ph. Dorsch von Bamberger und dem Steinhauer Kaspar Schöpf von Zeil verferdigt wurde."

Nach mündlicher Überlieferung schuf der Zeiler Kaspar Schöpf die Sockel und Baldachine. Die überaus kunstvollen Reliefs der Stationen des Kreuzwegs stammen hingegen aus der Werkstatt des Bamberger Künstlers Philipp Dorsch. Dessen Signum "Ph. D." ist auf dem Relief dieser Station zu sehen.