Zeiler Baudenkmäler

Das Zeiler Stadtgebiet

Innerhalb und außerhalb der Stadtmauer

  • Zeiler Altstadt vom Schützenberg

    Die Zeiler Altstadt von Osten

  • Zeiler Altstadt aus der Luft

    Luftbild 2015 (Quelle: Google Earth)

  • Zweidler-Plan

    Zweidler-Plan (16. Jh.): Stadtmauer mit breitem Wassergraben. Links der Obere Torturm (heutiger "Hexenturm"), noch mit seinem ursprünglichen Fünfknopfdach. (s. "mehr..." - letzter Abschnitt)

  • Zeil um 1500, Winkler

    So könnte Zeil um 1500 ausgesehen haben. Links Oberer Torturm und Trockengraben, vorne Wassergraben. (Zeichnung R. Winkler)

  • Zeiler Altstadt im Schnee

    Vom Schützenberg aus

  • Zeiler Altstadt

    Vom Stadtturm aus

  • Zeiler Altstadt

    Zeil vor 1925 (Caritashaus, Schule und Grabengärten-Siedlung noch nicht vorhanden) (Quelle: ZiaB, Umschlag innen)

Hans Brech: Altstadt Zeil

Die Altstadt von Zeil liegt am Fuß der Haßberge - eigentlich des vorgelagerten Zeugenbergs "Hohe Wann" - zwischen den Tälern des Mains und der Altach. 1379 wird die Siedlung erstmals als "stat" bezeichnet, was im Frühneuhochdeutschen "Ort", "Marktflecken" - aber auch "Stadt" - bedeuten kann. Erwähnt wird der Ortsname Zeil in Form einer "curtis Zilin" bereits um das Jahr 1018, weshalb die Ortschaft auf eine circa tausendjährige dokumentierte Geschichte zurückblicken kann. Die Siedlung Zilin dürfte allerdings viel älter sein. Wie Joachim Andraschke in seiner 2016 veröffentlichten Dissertation nachgewiesen hat, sind Ortsnamen mit n-Suffix (und um einen solchen handelt es sich bei "Zilin") vom ersten bis sechsten Jahrhundert n.Chr. entstanden, also mehr als 400 Jahre vor der Erstnennung Zeils. Da sich althochdeutsches "zilin" als "Grenze, Landwehr" deuten lässt, könnte hier sogar die Grenze zwischen Thüringern und Alemannen verlaufen sein - und tatsächlich besteht unmittelbar westlich von Zeil noch immer eine einschneidende Dialektgrenze. In Zeil heißt der Main "Maa", in Augsfeld und Knetzgau aber schon "Mee".

Die Mauern Zeils bilden ein schildförmiges Dreieck, dessen obere Seite fast genau nördlich liegt, während die gegenüberliegende Spitze nach Süden zeigt. Der Straßengrundriss ist relativ regelmäßig: Als Hauptachse zieht sich die abfallende Straße Schweinfurt-Bamberg durch die Stadt. Ursprünglich führte sie vom Oberen Tor im Nordwesten zum Unteren Tor im Südosten - also entlang der Oberen-Tor-Straße, vorbei am Marktplatz und durch die heutige Lange Gasse. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts bildet die "Breite Gasse" (heute "Hauptstraße") mit einem leichten Knick die Fortsetzung der Oberen-Tor-Straße, wodurch die Straße nach Bamberg heute die Zeiler Altstadt an deren Südspitze verlässt.

Der Marktplatz bildet nach wie vor das Zentrum der Stadt. Er steigt leicht von Süden nach Norden an und wird vom mächtigen Rathaus beherrscht. Dieses wird noch überragt von der dahinter liegenden katholischen Stadtpfarrkirche St. Michael. Zwischen Kirchplatz und Oberem Tor, also rund um den Propstenhof, liegt wohl der Siedlungskern von Zeil, die "curtis Zilin". Eine mögliche Entstehungsgeschichte der Siedlung "Zilin" im Lichte der neuesten Forschung s.u. ("mehr...")

Seit Jahrhunderten wird das Stadtbild beherrscht von der Kirche, dem Dreieck des Marktplatzes mit seinen Fachwerk- und Barockgebäuden, vom Stadtturm und dem ehemaligen fürstbischöflichen Jagdschloss (heute Finanzamt) sowie von den Fachwerk-Straßenzügen, die sich vom Marktplatz aus strahlenförmig zur umgebenden Stadtmauer hin erstrecken.

Bereits kurz nach Fertigstellung der Stadtmauer im Spätmittelater war die Siedlungsfläche der Stadt zu klein geworden, so dass man mehr und mehr auf das Gebiet beiderseits der Altach auswich. Eines der frühesten Gebäude war so die Heilig-Kreuzkapelle an der Hauptverkehrsstraße nach Bamberg. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts fand die ganze Ausweitung des Stadtgebiets in diese Richtung, nach Südosten, statt. Erst danach wurde allmählich das heutige Neubaugebiet Richtung Krum und Haßfurt erschlossen. Zum Zeiler Stadtgebiet gehört auch noch der die Altstadt überragende Kapellenberg, der im Mittelalter eine Burg trug und nun seit über 100 Jahren eine weithin bekannte Wallfahrtskapelle.

Martin Schlegelmilch

So könnte Zeil entstanden sein...

Schon im 10. Jahrhundert steht eine kleine Burganlage auf dem "Mons Zilin" (also dem heutigen Kapellenberg). In ihrem Schutz gründet sich eine kleine Siedlung. Burg und Siedlung übernehmen den Namen des Berges. Der Berg dürfte in dieser Zeit nahezu unbewaldet gewesen sein, nicht so wie heute....
Die Burg ist der Amtssitz des Cents von Zeil. Ein Cent ist im Frühmittelalter ein Verwaltungsbezirk mit eigener Gerichtsbarkeit, der aus 10 bis 30 Orten bestehen kann. (Das Cent Zeil könnte sich vom Gebiet des heutigen Augsfeld und Sand bis Dörflis und von Sechsthal bis Ebelsbach erstreckt haben). Von der Burg werden die vielen kleinen Weiler und Einzelgehöfte verwaltet, die weit verstreut vor allem im fruchtbaren Maintal liegen. Von einigen dieser Kleinsiedlungen wissen wir genau, wo sie gelegen haben. Es sind zum Beispiel Gehöfte, die am Schmachtenberg, am Ziegelanger, in Steinbach oder in Sand liegen. ... Andere Siedlungen werden aus den verschiedensten Gründen im Lauf der Jahrhunderte aufgegeben. Sie verfallen zu Wüstungen und sind heute oft nicht mehr aufzufinden. Alle diese Siedlungen des 10. und 11. Jahrhunderts haben noch keinen bestimmten Ortsnamen. ... Dies trifft auch auf die Kleinsiedlung mit ihrem Wirtschaftshof in der Nähe des heutigen Stadtturms zu. Der Kaiser verschenkt also 1018 nicht einen einzelnen Wirtschaftshof. Er verschenkt Zilin, gemeint ist das Cent Zeil mit allen seinen Siedlungen. Aus der vielleicht größten Siedlung des Cents ... wird später im 13. Jahrhundert das Dorf Zeil. (Quelle: 1000 Jahre Zeil am Main, M. Schlegelmilch, S. 28 f.)

Eidloth

Nördliche Altstadt - Historische Stadtgestalt

Neben den in Lage, Material und Gestaltung dominierenden öffentlichen Bauten prägen vor allem landwirtschaftliche Anwesen die historische Stadtgestalt. Diese lassen sich ihrem Grund- und Aufriss nach grob in Ackerbürgerhöfe und Ackerbürgerhäuser unterteilen. Letztere bestehen meist nur aus Wohnstallhaus und paralleler oder mit gleicher Firstrichtung angeschlossener Scheune wie bei Speiersgasse 3. Für die Gehöfte ist dagegen eine größere Zahl an Nebengebäuden kennzeichnend, die sich um eine Hoffläche gruppieren. In der Regel bestehen sie aus einem Wohnspeicherhaus an der Straße, im rechten Winkel sich anschließenden Stallungen Remisen und Holzlegen sowie der das Grundstück nach hinten abriegelnden quer stehenden Scheuer. Dabei kann das Haupthaus giebelständig sein, so dass sich wie in der Scheuerngasse ein charakteristischer Wechsel von Wohnhausgiebeln und Hofeinfahrten ergibt. Ganz auf Speiersgasse beschränkt sind die Hofanlagen mit einer Tordurchfahrt durch das traufständige Vorderhaus. Ein herausragendes Beispiel für diesen Bautyp ist dabei Speiersgasse 4.

Auch den im Bereich Marktplatz und Obere Torstraße konzentrierten Bürger- bzw. Handwerkerhäuser sind in der Regel ehedem landwirtschaftlich genutzte Nebengebäude zugeordnet. Die scheuern sind dabei, allerdings deutlich geringer dimensioniert. Nicht wenige Wohnhäuser sind aus ehemaligen Scheunen entstanden oder ersetzen solche. Ein frühes Beispiel für den Umbau einer Scheune zum Wohnhaus liefert obere Torstraße 2, ein jüngeres Beispiel ist An der Mauer 2.

Nördliche Altstadt - Baualter

Im Kern stammen die ältesten Privatbauten Zeils noch aus dem späten 15. Jahrhundert. Bausubstanz des 16. und frühen 17. Jahrhunderts ist vor allem im Bereich des vermuteten ältesten Siedlungskerns anzutreffen, aber auch in der Langen Gasse und der Speiersgasse. Ansonsten herrschen hauptsächlich Neubauten und Umgestaltungen des 18. Jahrhunderts vor. Zahlen sowie flächenmäßig relativ gering sind auch die Veränderungen des 19. Jahrhunderts im ummauerten Altstadtzentrum. Nur am westlichen Ende der Speiersgasse bzw. um den Kaulberg sind in größerem Umfang Um- und Neubaumaßnahmen des 19. Jahrhunderts zu verzeichnen. An Kaulberg und Spierersgasse handelt es sich dabei um Wiederaufbaumaßnahmen nach einer der typischen Brandkatastrophen des 19. Jahrhunderts, von denen Zeil aber ansonsten verschont blieb.

Südliche Altstadt

Im Süden wird die Altstadt durch den Verlauf der Stadtmauer begrenzt, wobei auch die unmittelbar angrenzenden Bereiche behandelt werden, wie beispielsweise die Grabengärten und die Oskar-Winkler-Straße westlich der Altstadt.
Die Stadtmorphologie wird maßgeblich durch drei Straßen geprägt: die Obere Torstraße (nordwestlicher Verlauf), die Lange Gasse (nach Osten orientiert) und die Hauptstraße (nach Süd-Osten gerichtet). Diese Verkehrswege sind auf den zentralen Marktplatz ausgerichtet und laufen auf diesen zu, bzw. zweigen von diesem ab.
Die südliche Altstadt wird zudem über zwei weitere Straßenzüge erschlossen, welche mauerparallel verlaufen: die Stadtmauergasse und die Entenweidgasse. Während der Stadtmauerweg über orthogonale Anschlussgassen mit Oberer Torstraße und Hauptstraße verbunden wird (Brauhausgasse, Adlergäßchen, Greifengäßchen), verläuft die Entenweidgasse ohne seitliche Abzweigungen von der Hauptstraße entlang der Stadtbefestigung bis zum östlichen Ende der Langen Gasse. Einzige Ausnahme ist eine kleine Seitengasse, welche nach halbem Verlauf nach Nord-Osten abzweigt und unmittelbar unterhalb des ehemaligen Unteren Tores auf die Lange Gasse trifft.
Die bauliche Substanz der Zeiler Altstadt wird primär von Fachwerkbauten geprägt, welche sowohl an den Hauptstraßen, als auch in den Seitengassen vorzufinden sind. Auch aus dem örtlichen Sandstein errichtete Objekte sind im Stadtkern erhalten geblieben, wenn auch die Dichte der Sandsteinbauten am Ortsrand und zu den Neubaugebieten des 20. Jahrhunderts hin deutlich zunimmt.
Eine soziale Unterscheidung der Zeiler Stadtbevölkerung ist in den baulichen Formen gut ablesbar. So sind die Bürgerhäuser an den Hauptstraßen zumeist auf größeren Parzellen und mit umfangreicheren Hofsituationen errichtet worden, während in den Seitenstraßen zumeist kleinere Grundstücke mit bescheideneren Objekten zu finden sind. Diese sind weniger von Händlern,Ratsherren und Bauern als vielmehr von Handwerkern bewohnt worden.
Sonderbauten im altstädtischen Bereich sind vor allem im Norden und Nord-Westen des Stadtgebietes zu finden. Das fürstbischöfliche Jagdschloss (heute: Finanzamt) lag am Oberen Tor, Kirche und Rathaus besetzen den höchsten Punkt der Stadt und dominieren somit optisch wie hierarchisch die sich darunter erstreckendenBürgerhäuser. Die bereits erwähnte Stadtbefestigung ist umlaufend und wird lediglich durch eine Reihe von Schalen- und geschlossenen Türmen unterbrochen. Von den einstmals zwei Stadttoren für Fuhrwerke und zweien für den Fußverkehr ist keines mehr erhalten. Die ehemaligen Positionen sind jedoch im Stadtgrundriss nach wie vor deutlich ablesbar. Die Stadtmauer bildet nach wie vor den Rand der altstädtischen Bebauung, welche die Stadtmauer an einigen Stellen (vor allem im Osten, in der Entenweidgasse oder der Bachrahm) einbindet. Im Westen des Stadtkerns ist die Mauer weitestgehend freigestellt, da sich östlich der Befestigungsanlage der Stadtmauerweg, westlich die Grabengärten anschließen. Durchbrüche durch die historische Substanz der Mauer ermöglichen heute die Erschließung der Kleingärten. Eine städtebauliche Aufweitung einer ehemaligen Torsituation findet vor allem im Süden statt, am dortigen Ende der Hauptstraße. Durch moderne Bebauung wird dieser Ortseingang ahistorisch geöffnet, anders als dies beispielsweise in der Langen Gasse der Fall ist. (Quelle: SDU)

Gunzelmann

Datierung: Vermutlich historischer Ortskern des 11. und 12. Jahrhunderts, Märkte ab 1397, bzw. 1447.
Erhaltene Gebäude: vor Allem aus dem 16.-18. Jahrhundert, vereinzelt auch Strukturen aus 14. und 15. Jahrhundert erhalten.
... Lage und Bedeutung: Zentraler Platz auf dem wahrscheinlich ab dem Jahr 1397 (verliehen durch König Wenzel) drei Jahrmärkte abgehalten werden. Im Jahr 1447 erhält die Stadt das Recht für sechs Jahr- und Viehmärkte (verliehen durch Fürstbischof Antonius) (Höhl G. 1962: 36; übernommen aus Eidloth u.a. 1991).
Geschichte / Baugeschichte / hist. Stadtstruktur: Der Bau des Rathauses datiert etwa in die Zeit der Marktrechtverleihung. Die beim Einmarsch der Schweden im 30-jährigen Krieg abgebrannte Westseite des Marktplatzes wurde wieder aufgebaut. Eine Erweiterung erhielt der Marktplatz durch das Auflassen des Kirchhofs 1713.
Prägende Bauwerke: Hauptsächlich giebelständige mehrgeschossige Wohn- bzw. Bürgerhäuser, zum Teil mit Hinterhof und -gebäuden, sowie das Rathaus.(Quelle: SDU)

Zum Zweidler-Plan (Bild ..)

Auf unbedingte Wirklichkeitstreue des Stadtbildes darf man sich freilich nicht verlassen. So führte durch den großen Turm an der Westmauer nie der Torweg. Der neue Kastenhof, das heutige Finanzamt, ist mit dem Hauptbau zur Straße gewendet gezeichnet. Das Rathaus ragt viel zu weit ins Stadtinnere herein; Speiersgasse und Langgasse sind zu einem Straßenzug verschmolzen, und der untere Torturm hebt sich in naher Nachbarschaft zur Kirche empor. Die eingezeichneten Häuser aber stellen bloßes Füllwerk dar; kaum eines von ihnen läßt sich mit einem der alten Bürgerbauten identifizieren, derer sich die Stadt heute noch erfreuen darf. Trotzdem vermittelt das Bild recht ansprechend den Eindruck, den damals das wehrhafte Städtchen Zeil in seiner natürlichen Landschaft machte. (Quelle: CHR, Bd. 1, S. 137)