Zeiler Baudenkmäler

Die Stadtmauer

  • Altach

    Verlauf der Stadtmauer (rot: ursprüngliche Ostmauer)

  • Altach

    Außenseite Judengasse

  • Altach

    Außenseite Judengasse

  • Grabengärten

    Durchgang zur Brauhausgasse

  • Stadtmauerweg

    Grabengärten (Osten)

  • Greifengässchen

    Greifengässchen

Stadtmauer gesamt

Im Jahr 1379 verlieh der Bamberger Bischof Lamprecht den Zeilern einige rechtliche und steuerliche Privilegien, wie sie typisch für eine Stadt sind. Außerdem ging es in dem Schreiben um die Verfügungsgewalt über einen die "stat" umschließenden Graben - wobei "stat" im Frühneuhochdeutschen sowohl "Ort, Marktflecken" als auch "Stadt" bedeuten kann. Eine explizite Verleihung von Stadtrechten ist der Brief nicht. Martin Schlegelmilch nennt den Vorgang treffend "Beginn der Stadtwerdung". Eine Wehrmauer wurde dann ab 1398 gebaut, was sich bis etwa 1425 hinzog. Es entstand eine dreiseitige, wappenförmige Befestigung, für die der Marktplatz in etwa den geographischen Mittelpunkt bildete. Spätestens jetzt war Zeil vollumfänglich eine Stadt (nachdem 1397 bereits das Marktrecht verliehen worden war). Schon binnen weniger Jahrzehnte erwiesen sich die gewählten Grenzen als zu eng, so dass man Richtung Osten erweiterte. Verlief die Stadtmauer ursprünglich entlang der heutigen Entenweidgasse und Unteren Heppengasse (rote Linie auf Bild 1), so setzte man sie nun weiter nach außen Richtung Altach, so wie es der heutigen Situation entspricht.

Entlang dieses Mauerverlaufs gab es neben den 19 Türmen zwei große Tore, von denen noch der Turm des Oberen Tors - der heutige "Hexenturm" - erhalten geblieben ist. Von den ehemals zwei Fußgängerpforten ist noch eine - neben der "Alten Freyung" - vorhanden. Zwischen zahlreichen Türmen verlief an der Mauerkrone ein überdachter Wehrgang mit Schießscharten. Die Mauer war zwischen 5 und 7 m hoch und ca. 1,25 m stark. Es handelt sich um ein Zweischalen-Mauerwerk, wobei man für die Außenschalen große Sandsteinquader verwendete, zwischen die Bruchsteine und Geröll eingebracht wurden. Die gewaltigen Mengen des dafür benötigten Materials dürften aus Steinbrüchen direkt an den Zeiler Haßberghängen gewonnen worden sein, z.B. am Fuß des Kapellenbergs.

Im 19. Jahrhundert wurden Teile der Stadtbefestigung abgetragen, insbesondere das Untere Tor, die östliche Hälfte der Nordmauer (Straße "An der Mauer"!) und die ganze Südspitze, wo nun die neue Straße nach Bamberg verlief. Ein Teil des freigewordenen Steinmaterials wurde dann auch gleich zum Straßenbau verwendet.

In den letzten Jahren wurde die verbliebene Stadtmauer Stück um Stück unter denkmalpflegerischer Vorgabe neu befestigt und verfugt.

Universität Bamberg

Die Stadtmauer bildet immer noch den Rand der altstädtischen Bebauung, welche die Stadtmauer an einigen Stellen (vor allem im Osten, in der Entenweidgasse oder der Bachrahm) einbindet. Im Westen des Stadtkerns ist die Mauer weitestgehend freigestellt, da sich östlich der Befestigungsanlage der Stadtmauerweg, westlich die Grabengärten anschließen. Durchbrüche durch die historische Substanz der Mauer ermöglichen heute die Erschließung der Kleingärten. Eine städtebauliche Aufweitung einer ehemaligen Torsituation findet vor allem im Süden statt, am dortigen Ende der Hauptstraße. Durch moderne Bebauung wird dieser Ortseingang ahistorisch geöffnet, anders als dies beispielsweise in der Langen Gasse der Fall ist. (Quelle: SDU)

Mauer: Chronik

[Im Jahr 1379] gestattet Bischof Lamprecht ein bedeutsames bauliches Unternehmen der Zeiler, die er mehrmals als "Bürger" bezeichnet: die Errichtung einer Wehrmauer um ihre Siedlung. Diese soll die Sicherheit für die Einwohner verstärken und zuzugswilligen Nachbarn einen Anreiz geben, Zeil zu ihrem künftigen Wohnsitz zu wählen. ...

... Deshalb empfand es der friedliche Bürger ja so wohltuend, dass wenigstens während der Nacht die Stadtmauer lichtscheues Gesindel fernhielt und auch einige Sicherheit vor einer Belästigung durch mißgünstige Nachbarn gewährte. Sie umzog den schildförmigen Grundriß des Ortes in einer mittleren Dicke von 1,25 m bei durchschnittlich 5-6 m Höhe. Aus starken Sandsteinquadern war sie an den Außenseiten aufgemauert; die innere Verbindung bildete grobes Geröll in Verein mit Gesteinsabfall, eingebettet in den zähen Mörtel. Das Baumaterial stammte aus stadteigenen Brüchen, die vermutlich tief am Hang des heutigen Kapellen- oder Schleifberges lagen. Mittels der an Rollen befestigten Steinzange wurden die Blöcke in die rechte Lage gehoben. Die Greiflöcher und die Gerüstaussperrungen können noch heute an den Mauerresten beobachtet werden. Oben umlief die Mauer ein gedeckter Wehrgang. Er verband die nicht wenigen Voll- oder Halbtürmchen, von denen aus die Verteidiger die Außenseite der Mauer bestreichen konnten, mit den beiden großen Toren. Schießscharten für Armbrustschützen, später auch für Handbüchsen, drohten nach draußen. Der Bau der Mauer und der beiden Tortürme wird beträchtliche Mittel verschlungen haben. Kein Wunder, dass sich die Fertigstellung bis in die Zeit Bischof Albrechts von Wertheim ins beginnende 15. Jahrhundert hinausgezögert haben soll.(Quelle: CHR Bd. 1, S. 61 ff)

Leisentritt Spaziergang

Insgesamt hat die Stadtmauer eine Länge von 960 Metern. Die Grundfläche der einstigen Wehranlage entspricht etwa der von zwei Fußballplätzen.
Nicht nur vor Feinden, Landstreichern, Bettlern, Pestkranken und zwielichtigen Personen sollte die Stadtmauer schützen. Sie hatte auch den Zweck, die vielen armen Mitbürger von den Äckern, Wiesen, Weinbergen und dem Wald fernzuhalten. Feld- und Walddiebstähle waren bis in jüngste Zeit gang und gäbe. Von abends bis frühmorgens durften sich nicht einmal die Besitzer auf ihren Grundstücken von den Flurhütern antreffen lassen. Bei Einbruch der Finsternis wurden die Tore geschlossen. Man konnte nicht nur nicht herein, sondern auch nicht hinaus, ohne zwingende Gründe vorzuweisen. Das Übersteigen der Stadtmauer galt als ein abscheuliches Verbrechen. Zwei junge Zeiler wurden deswegen 1666 dazu verurteilt, "mit Eisen geschlossen" und acht Stunden lang am Pranger gespannt zu werden "wiewohl sie wegen groß verübten Frevels, der Stadt und Land gar verweisen verdient hätten". Hier stand das Gegenstück zum Oberen Stadtturm. 1819 hat man ihn abgebrochen und die Steine für den Straßenbau verwendet. Die Landstraße war damals so schlecht, daß eine mit sechs Pferden bespannte Postkutsche einmal für die 18 km lange Strecke von Haßfurt bis Stettfeld sechs Stunden benötigte. Bei Ziegelanger, einem heutigen Stadtteil, versanken die Pferde bis an die Knie im Morast. (Quelle: Ein Spaziergang durch Zeil S. 38-39)